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Kunstverein Familie Montez in der Honsellbrücke


Kommende Ausstellung:

Sascha Boldt & Ann Schomburg

“Hybrid Realities – from Art to Life and back”

Freitag, 29. Juli 19:00 – 23:00

 

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Sascha Boldt & Ann Schomburg – „Hybrid Realities – from Art to Life and back“ (bis 28.08.)

Vernissage: Freitag 29.07.2016 um 19.00 Uhr
Begrüssung: Mirek Macke
Einführung: Christoph von Loew

„Hybrid Realities – from Art to Life and back“ die erste Duoshow von Sascha Boldt und Ann Schomburg in Frankfurt am Main. Dabei verwandeln die in Berlin und Frankfurt lebenden und arbeitenden Künstler die Austellungshalle in eine Rauminstallation, die sich mit dem hybriden Konstrukt zeitgenössischer Lebenswelten auseinandersetzt. Es werden gemeinsame und individuelle Arbeiten gezeigt, die sich thematisch mit der mehrdeutigen chiffrenhaften Resonanz auseinandersetzt die unsere Gegenwart verstärkt hervorbringt.Mit Leitmotiven wie „Life recreates Art“ oder „Life imitates Art“ heben sie dabei die Kunst als essentielle Grundvorraussetzung jeglicher Reflektion von Realität hervor und gehen dabei der fragestellung nach, ob das Leben die Kunst nachbildet oder andersrum.

In ihrer Installtion „Chambre privée“ gehen Boldt und Schomburg der Frage nach dem relevantesten Lebensraum für das Individuum im Jahr 2016 nach. Dazu werden die Betrachter in eine Loftartige Wohnsituation des Künstlerduos eingeladen. Die Installation setzt sich gleichberechtigt aus Alltagsgeganständen und autonomen Kunstwerken zusammen, die als Kunst in einem realen Lebensraum auftauchen könnten.

Das subtile Involvieren der Rezipienten wird zu einem eigendynamischen Bestandteil der Ausstellung. Die Skulptur „Watchgrabber“ z.b. ermöglicht eine direkte Partizipation an diesem Wechselspiel der Realitästebenen in der Ausstellung. Bei diesem Exponat handelt sich um einen modifizierten Automaten an dem der Betrachter durch das geschickte Steuern eines Greifkranes versuchen kann kleinformatige Arbeiten aus dem Arrangement im Inneren zu entwenden. Je nach Erfolg wird dabei das Arrangement umkuratiert, eine Verknüpfung von Kunst, Spiel und Teilhabe entsteht.

Die Frage nach der Gleichberechtigung der Dinge und involvierten Individuen ist ebenso essentiell, wie die Frage Kants nach dem „Ding an sich“ oder das zitieren von Marcel Duchamps Idee der „Object trouvé“ hin zu malerisch konstruierten Bildräumen, deren Ursprünge auf Internetbilder, Handy Apps oder Youtube Zitate verweisen und dabei die vielfältigen Verlockungen eines durch Multitasking geprägten Alltages spiegeln.

Die überladenen Digitalcollagen von Sascha Boldt konstruieren zeitgenössische Momentaufnahmen in unterschiedlichen Skalierungen und Bedeutungsebenen. Bei genauerer Betrachtung werden mit jedem Schritt der Annäherung an diese Bilder mehr und mehr Details preisgegeben welche die vermeintlich heitere Popart brechen und Themen wie Kontrollzwang, wirtschaftliche Abhängigkeiten, Depression und Burnout oder domestizierte Haustiere als Abbild einer sich immer weiter atomisierenden Gesellschaft offenbaren.

Die Frage wie sich gemeinsame Ideale und Zielsetzungen im Überfluss der Eindrücke und Notwendigkeiten herauskristallisieren wird aufgeworfen oder welche Möglichkeitsräume wir als Individuen in einem Lebensumfeld haben in denen sich Realität scheinbar mehr denn je aus den vielfältigsten Einzelkomponenten zusammensetzt.

Ann Schomburg blickt in Ihren Großformaten „Storytime“ auf #Storytime Videos, in denen Heranwachsende in einer scheinbaren Gegenbewegung zu den Anonymous AktivistInnen intimste Details ihres Privatlebens preisgeben. Visualisierte Youtubevideos, deren Skizzen aus gängigen DIY (Do it yourself) Beautyprogrammen auf dem Smartphone stammen und die die Künstlerin mit verschiedenen malerischen Techniken überarbeitet hat. Schomburg greift Slogans von Deutschen und amerikanischen Youtubern auf, die um die Clicks der Betrachter buhlen.

Besonders die beständigen Wechselspiele von selbstauferlegten Rollenbildern stehen hier im Fokus, wie funktioniert Selbstdarstellung wenn in den Sozialen Medien das privateste offen gelegt wird und der Sinn und Unsinn von dieser privaten Selbstvermarktung wird in seiner Überladungs ins Absurde geführt.

Des weiteren bilden Schriftbilder und Slogans eine Art Subtext zur Szenerie, einen Kommentar zum gegenwärtigen Stand von Kunst und Gesellschaft.