Fr 14.1.22 – So 6.2.22

Vernissage: Freitag, 14. Januar 2022, 19 Uhr
Einführung: Dr. Hans-Heinrich Hellmuth

Statement Oliver Estavillo: Über meine Arbeit

Am Anfang steht stets die Idee zu einem Bild, und plötzlich, überfallartig stürmt das Motiv auf mich ein, komplett mit Titel, und in meinem Kopf schon fertig im Entwurf mitsamt der Farbgebung.
Auch gerne nachts, weshalb ich immer Zettel und Stift in Griffweite habe. Über dieses Phänomen staune ich selbst, schon solange ich male, und auch wenn ich Zuhörern darüber berichte, sind sie jeweils sehr verblüfft.
Es scheint die Vorstellung vorzuherrschen, dass ein Maler vor dem Beginn eines neuen Bildes sich krampfhaft ein neues Thema überlegen oder ein solches
konstruieren muss um dann, ohne zu wissen, “ wo die Reise hingeht “, drauflos zu malen.
Nicht so bei mir, ich verfüge mittlerweile über eine lange Liste von Bildern, die gemalt werden wollen, und ich muss immer wieder Themen bevorzugen oder verschieben.
Und das Konzept bzw. der “ Entwurf “ ist dann wie erwähnt in meiner Imagination bereits fertig.
Zur Farbgebung meiner Arbeiten möchte ich betonen, und das ist ja deutlich zu erkennen, dass ich Farben über alles liebe, insbesondere die brillanten, leuchtenden Farbtöne der Ölfarben, ihre Konsistenz, ihren Geruch, der sich während der Trocknung verändert und den typischen Ateliergeruch erzeugt.
Das ist meine Droge, danach bin ich süchtig, wenn die Farben nicht ungenießbar wären, würde ich sie wohl aufessen.
Farben bringen Licht in den manchmal doch sehr öden und grauen Alltag, und ich brauche sie wie die Luft zum atmen.
Was die Personen auf meinen Bildern angeht, mein “ Personal “ sozusagen, so möchte ich deutlich machen, dass es keine real existierenden Menschen sind, die ich darstelle.
Ich werde immer wieder gefragt, ob die Figuren Portraits lebender Menschen sind, was ich verneine und erkläre, dass es mir darauf ankommt, “ Typen “ oder Wesenszüge zu porträtieren, Charaktere zu “personifizieren “.
Wenn dann trotzdem ein Besucher in einer Figur “ seine Tante Hannelore “ zu erkennen glaubt, so finde ich das wirklich lustig und amüsant.
Zusammenfassend darf ich feststellen, und ich bin überglücklich darüber, dass es für mich ein riesengroßes Geschenk ist, die Gabe zum kreativen Gestalten zu haben oder einfacher ausgedrückt :
Ein Maler zu sein !

Oliver Estavillo

www.estavillo.de

 

Dr. Hans–Heinrich Hellmuth:
zu Oliver Estavillos Ausstellung DARK EDEN im Kunstverein Familie Montez

Der Titel der Ausstellung DARK EDEN, Dunkles Paradies, stammt von einem Gemälde, das Oliver Estavillo 2021 schuf, also während der Pandemie, ebenso wie das ein Jahr zuvor entstandene GEFÄHRLICHER FRÜHLING. Mit beiden großformatigen Bildern, an denen er jeweils neun Monate arbeitete, fand er eine überzeugende, adäquate Gestaltung der Schrecken von Covid 19, und sie bilden den Schwerpunkt dieser Einführung. Doch zuvor werden einige spezifische Charakteristika seiner Werke benannt, die sie in inhaltlicher wie stilistischer Hinsicht unverwechselbar machen. Übrigens hat Estavillo auf seiner Facebookseite das Making of seiner in den letzten Jahren entstandenen Bilder kontinuierlich dokumentiert. Sie sind gegenständlich und meist figurativ. Seit 1995 malt er ausschließlich in Öl auf Leinwand, wobei er die großen Formate bevorzugt. Hierzu bemerkte er: „Öl auf Leinwand ist diejenige Technik, die mir die größtmögliche Freiheit in der Gestaltung und das umfangreichste, leuchtendste Farbspektrum bietet.“ Er hat ein sehr unmittelbares, emotionales Verhältnis zu seinen Farben und bekannte im Katalog seiner Ausstellung VANITAS, „dass ich Farben über alles liebe, insbesondere die brillanten, leuchtenden Farbtöne der Ölfarben, ihre Konsistenz, ihren Geruch, der sich während der Trocknung verändert und den typischen Ateliergeruch erzeugt. Das ist meine Droge, danach bin ich süchtig; wenn die Farben nicht ungenießbar wären, würde ich sie wohl aufessen. Farben bringen Licht in den manchmal doch sehr öden und grauen Alltag, und ich brauche sie wie die Luft zum Atmen.“

Estavillo erschafft in seinen Bildern eine ganz eigene Welt, wie der Kurator der großen RETROSPEKTIVE im Vonderau Museum Fulda (2020), Dr. Gregor Stasch, im Katalog feststellt: „Die Tatsache, dass er ein Autodidakt ist, scheint einem unvoreingenommenen Betrachter der faszinierenden, aber auch formal bestechenden und maltechnisch perfekten Bilder keineswegs spontan bewusst zu werden. Sein Werk entspringt einem sehr persönlichen Kosmos und entstammt formal und inhaltlich – anders als bei der Mehrzahl seiner akademisch ausgebildeten „Kollegen“ – nicht dem Bemühen, an den prägenden Kunstakademien seinen persönlichen „Stil“ herauszukristallisieren, vielmehr ist es ein Ausdruck seiner inneren Bildwelten, eine Folge seiner eben nicht gradlinig verlaufenen Kinder- und Jugendzeit, die ihn womöglich noch bis heute verfolgt, die ihn aber sensibel für die sozialen Tiefen unserer Gesellschaft macht und die in seiner Kunst verarbeitet werden will und muss. Er ist dabei ein besonders aufmerksamer und kritischer Beobachter seiner sozialen Umwelt und gleichzeitig ein großartiger, zuweilen unterhaltsamer Erzähler, der in den Sehnsüchten (?) der menschlichen Seelen zu „fischen“ sucht, aufdeckt, bloßstellt, urteilt, ohne wirklich zu verurteilen. In seinen surrealistischen Welten agieren Menschen und anthropomorphe Kreaturen, die aber keineswegs die vermeintlich hier dargestellten Randbereiche unserer Gesellschaft, sondern vielmehr die mehr oder weniger latenten Triebe und Ängste aller Menschen zu beschreiben suchen. Missstände zu zeigen oder aufzudecken, Verhaltensweisen und Praktiken an den Pranger zu stellen, aber vor allem sich selbst, die gewohnten Anschauungen, bis hin zu den am tiefsten verankerten Urtrieben zu hinterfragen, scheint die selbstgestellte Aufgabe des Künstlers zu sein … Seine drastischen Bilder sind Geschichten. Eingefroren in einem scheinbar beliebigen Augenblick der Handlung, wie eine Filmsequenz, die aus tausenden Bildern besteht. Aus der Folge ausgeschnitten, sehen wir eines davon; es lebt in einem Vor- und Nachgeschehen. Doch auch ein Blick in die Bilder hinein lässt wirkliche Visionen des Künstlers erahnen, nicht allein den Schein der surrealen Welt, der wir bei ihm begegnen. Die Wirklichkeit der still-schreienden Botschaften ist gegenwärtig.“

Auf seinem Weg dahin durschritt er in seinem Schaffen mehrere Etappen. Die frühesten Bilder dieser Ausstellung entstanden in den Jahren ab 1995. Mit bissigem Witz und böser Ironie schuf er damals in mittleren Formaten zahlreiche Bilder recht unterschiedlichen Inhalts, doch meist gelten sie mehr oder minder auffälligen Zeitgenossen. So ist SEHR WITZIG die Karikatur eines hinterhältig grinsenden Exhibitionisten im typischen, weit geöffneten Trenchcoat, aber mit einem untypischen Kränzchen von Veilchen um sein Gemächt. Ziemlich gemein sind ROMEO UND JULIA persifliert: ein hässliches Pärchen, das sich lüstern züngelnd anschaut, die Gesichter übersät mit rötlichen, eitrigen Pickeln, wie sie auch die kleinen, kitschigen, rosa Herzen bedecken, von denen die beiden Liebenden umgeben sind. OP – ERSTMAL PROST HERR KOLLEGE! zeigt zwei Chirurgen, die vor ihrem Patienten, der angsterfüllt auf dem Operationstisch liegt, sich breit grinsend zuprosten. Der abseitigen Szene des Sadomasochismus gelten drei sehr unterschiedliche Gemälde. IN DER FETISCHBAR schildert sarkastisch dessen schwule Variante. Im Gegensatz zu dieser exzentrischen, skurril überdrehten Parodie gestaltet Estavillo das Thema in stark ästhetisierter, phantasievoller Form in SADO, der Darstellung eines Skorpions als Lederkerl, und in DIE ATHEISTIN: eine Gottesanbeterin als Domina, also jenes Insekt, das nach der Paarung das Männchen frisst. Nur durch ihre typische, glänzend schwarze Lederkluft werde beide seltsamen, gefährlichen Wesen als Sadisten entlarvt.

Einige frühe Bilder sind der Splatterkunst zuzurechnen. Der Begriff des Splatter stammt aus der Welt des Films und bezeichnet ein spezielles Genre des Horrorfilms, das die Darstellung von Blut und exzessiver Gewalt in den Vordergrund stellt. Der Splatter ist aggressionsgeladen und besonders auf Verletzung, Mord und Zerstückelung fixiert. Exemplarisch hierfür ist DER MÄNNERMETZGER, der von den Untaten des Serienmörders Fritz Haarmann inspiriert wurde, der vor hundert Jahren in seiner Wohnung 24 junge Männer durch einen Biss in den Kehlkopf tötete und ihr Fleisch verkaufte. Noch lange lebte er fort im kollektiven Gedächtnis, besonders infolge des populären Gassenhauers „Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu Dir, mit dem kleinen Hackebeilchen macht er Hackefleisch aus Dir.“ Andere Bilder wurden durch aktuelle Verbrechen veranlasst, die von der Sensationspresse in allen scheußlichen Einzelheiten geschildert wurden. Zu einem solchen Fall schrieb Dr. Wolfgang Sauré in seinem Beitrag zu Estavillos Bildband FALLBEILZEIT (2005): „Estavillo greift motivisch ein Vergehen von Kannibalismus auf, das sich in Rotenburg an der Fulda ereignete und das er auf HESSISCHE SCHLACHTPLATTE wie ein makabres Stillleben in Szene setzt, eine Parodie der Abwegigkeit, ein Monsterbild aus Groteske, Grauen und Blasphemie, ein Todesmahl des Abstrusen und Extremen.“ Der Titel HESSISCHE SCHLACHTPLATTE lässt freilich eher einen deftigen Schmaus erwarten, und dieser zynische Gegensatz zu dem Bildinhalt vermehrt noch das Grauen. Das gilt auch für SORRY HERR DOKTOR ! , wo man angesichts dieser höflichen Entschuldigungsfloskel überhaupt nicht die blutrünstige Darstellung eines in seinem Sprechzimmer geköpften Arztes erwartet. Ebenso verheißt der Titel VOM ZAUBER DES MITTELALTERS idyllische Romantik, geboten wird aber eine sehr realistische Schilderung grausamer Folter- und Hinrichtungsmethoden. Diese Splatterbilder, die zwar ohne Sympathie, aber auch ohne Schonung physische Gewalt zeigen, werden hier in einem abgesonderten Raum separiert, der für Kinder und Jugendliche nicht zugänglich ist. 2018 sagte Estavillo in einem Interview, er habe damals „brutalere Szenen dargestellt als heute: Es ging mir um die Bestie Mensch. Ich dachte damals, es könne in der Welt nicht schlimmer kommen. Aber es geht schlimmer.“ Übrigens folgte er in VOM ZAUBER DES MITTELALTERS, diesem Kompendium menschlicher Grausamkeit, keinesfalls seiner Phantasie, sondern richtete sich streng nach der damaligen Realität, denn die Darstellungen entsprechen auch in den Details den Exponaten im Mittelalterlichen Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber, das er zweimal zu Recherchezwecken besuchte. Das gleiche gilt für VETERANENTREFFEN, das den letzten Appell von gefallenen Soldaten aus verschiedenen Jahrhunderten zeigt. Hier sind die Uniformen und Ausrüstungen, z.B. eine unförmige Gasmaske des Ersten Weltkrieges, nach den Originalen im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt wiedergegeben.

VETERANENTREFFEN gehört zu einem neuen Bildtyp, wie Dr. Gregor Stasch hervorhebt: „Seit 2008 kreiert Estavillo die neue Bildidee eines Gruppenbildnisses – einer aktuellen „Nachtwache“. Es entstehen nun rasch aufeinander folgend Porträts imaginärer Personengruppen in einem stark sozialkritischen Kontext. Diese „Gruppenporträts“ bedienen sich eines weitgehend eigenständigen Malstils, der aus den Experimenten der 1990er Jahre herausgearbeitet ist und einen sehr in sich geschlossenen, reifen Werkkomplex von erheblichem Umfang darstellt.“ Die vielfigurigen Kompositionen erfordern größere Formate, wobei 100 x 160 cm zu seinem Lieblingsformat wird. Dieser Bildtyp ist inhaltlich gewissermaßen neutral und für die unterschiedlichsten Inhalte geeignet, was die überbordende Phantasie Estavillos – oft recht überraschend – auf vielfältige Weise ausnutzt. Sehr gerne beschäftigt er sich mit auffälligen Mitmenschen, z.B. in KULTURPÄPSTINNEN und BOTOXELFEN. Zugleich sind diese aparten Wortbildungen auch Beispiele für seine sprachliche Kreativität. In BAYERISCHE MÄNADEN zerreißen riesige Dämoninnen im Dirndl zwergenhafte Lederhosenträger, die wie schlaffe Kasperlfiguren über ihrem Arm hängen, und in POLKA CLERICORUM tanzen geistliche Würdenträger miteinander, die Dinosaurierköpfe besitzen. In KARNEVAL DER TERRORVÖGEL porträtiert der Maler riesige, prähistorische, mörderische Laufvögel originalgetreu nach den Rekonstruktionen der Paläontologen, versetzt sie aber humorvoll aus der Ur- in die Neuzeit, indem er sie Karneval feiern lässt in Kostümen des rheinischen und venezianischen Karnevals.

In MEIN VATER IN DER HÖLLE und MUNICH NIGHTMARE, Alptraum München, weicht er von dem Schema des Gruppenbildes ab. Sein Vater, ein amerikanischer GI, hatte seine Familie früh verlassen und war in die USA zurückgekehrt, ohne jemals die geringste Unterstützung zu leisten. In bitterer Armut zog seine tapfere Frau ihre vier kleinen Kinder groß. Das Gemälde zeigt den von Dämonen gemarterten Vater zusammen mit anderen Verdammten in einem düsteren Gewölbe, das in seinem Aufbau an einen spätgotischen Flügelaltar erinnert, wozu Estavillo erklärt: “ich habe die Klischeevorstellung bewusst aufgenommen. Dieses kindliche Bild einer metaphorischen Hölle erhält seine Berechtigung nur von der Besonderheit des Themas.“ Auch in MUNICH NIGHTMARE spielt er virtuos mit Klischees. Das Bild entstand, als er nach über 30 Jahren wegen der irrsinnigen Entwicklung der Mieten München verlassen und in seine Geburtsstadt Fulda zurückkehren musste. Die surreale, komisch-böse Häufung meist negativer Münchenklischees ist einerseits durchaus ernst gemeint, zugleich aber auch ironisch und nach seiner Formulierung „aus bewusst klischeehaften Versatzstücken zusammengesetzt.“

Zu dem Gemälde GEFÄHRLICHER FRÜHLING bemerkte er 2020: “Seit Beginn der Pandemie arbeite ich an meinem Bild zur Coronakrise. Das ermöglicht es mir, etwaige düstere Gedanken direkt einfließen zu lassen und so für mich zu verarbeiten. Das Bild wird dadurch immer komplexer und vielschichtiger.“ Den Mittelpunkt bilden die beiden großen, allegorischen Gestalten des Coronavirus und des Todes. Dieser steht als mittelalterlicher Sensenmann still abwartend vor dem entspannt auf dem blutroten Boden lagernden Virus in der Gestalt eines hässlichen Dämons mit schwefelgelbem, menschlichem Körper und der stachelbewehrten, viralen Kugel als Kopf. Er hat die Haltung des Adam in Michelangelos „Erschaffung Adams“. Während dieser jedoch seine Hand dem ausgestreckten Arm Gottes entgegenhält, prüft der Dämon stattdessen die Schärfe der Sense. Im Hintergrund sind Gleichnisse des Schreckens der Pandemie zu sehen. So öffnet etwa ein bleicher, surrealer Kopf seinen Mund zu einem Schrei des Entsetzens, und drei erbärmlich nackte Vogeljunge hängen kopfüber herab in einem verkehrt angebrachten Nest, und aus ihren Schnäbeln quillt glühende Lava. Das Nest brennt, aber entgegen den physikalischen Gesetzen sind die Flammen nicht aufwärts, sondern abwärts nach unten gerichtet: „ein Zeichen, dass die Pandemie das Unterste nach oben kehrt und alles auf den Kopf stellt“ (Estavillo).

Das Gemälde DARK EDEN, Dunkles Paradies, gilt dem Sündenfall, jedoch stark verfremdet gegenüber der biblischen Erzählung. Adam und Eva haben ungestalte, hässliche Körper und als Köpfe Piranhas, jene mörderischen Fische, die auch Menschen anfallen. Über ihnen verzweigt sich der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, dessen Früchte teils angebissen oder von Schimmel bedeckt und von Maden angefressen werden. Neben der versucherischen Schlange erscheint auch die andere Verkörperung des Bösen, Satan, freilich ironisch in einer eher boshaft komischen Gestalt, nämlich als die Handpuppe des Teufels aus dem Kasperletheater, der von Adam mit verlängertem Arm geführt wird. Den Vordergrund beherrschen zwei gefährlich drohende Raubtiere: eine Tüpfelhyäne und ein Mandrill. Außerdem sind einige surreale Gestalten sowie Tierschädel zu sehen, die sich zu einem verstörenden Ensemble vereinen. Weiße Maden kriechen aus dem Boden als Zeichen für Verwesung und Tod. Als Knochenmann im dunklen Gewand ist dieser auch selbst anwesend und spielt gedankenverloren auf einem zersplitterten Cello mit einem Bogen, dessen Saiten bis auf eine gerissen sind.
DARK EDEN ist ein Bild der Vergänglichkeit, welches den Betrachter mahnt: Memento mori. Gedenke des Todes! In seinen Werken beschäftigt Estavillo sich in vielfältiger Weise immer wieder mit dem Tod, beginnend mit dem Ölbild DER TOD UND EIN SILBERHOCHZEITSPAAR, das er als 19jähriger malte, und vor ein paar Jahren bekannte er in einem Interview: „Mein Lebensthema ist der Tod.“ – Doch die beiden düsteren Bilder GEFÄHRLICHER FRÜHLING und DARK EDEN blieben in der Schreckenszeit der Pandemie nicht sein letztes Wort. Vor fast zweieinhalb Jahrtausenden ließen die griechischen Dramatiker während des Festes der Dionysien unmittelbar auf die obligatorischen drei Tragödien stets ein komisches Satyrspiel folgen. In ähnlicher Weise schuf Oliver Estavillo im Anschluss an DARK EDEN ein Gemälde von beklemmender Komik und groteskem Horror: DRUNK DEMONS, Betrunkene Dämonen.