22.11.2026 | 19:00 Uhr
Einsame Wölfe
„Ich rufe meinen Schatten
Er folgt in seinem Tempo.
Verschwindet Licht und Wärme
Bleibe ich mir treu
Und verschließe mich der Welt.“
(Credits: M.Rusinek)
Wenige Komponisten schaffen eine so dichte Isolation zu ihrem eigenen Leben und der Welt wie Franz Schubert.
Er trägt einen Umhang, dessen feiner, farbloser Stoff bis in meine Welt reicht.
Seine 16. Klaviersonate a-Moll beginnt als stiller Abschied, der zu einer apokalyptischen Metamorphose wird. Den zweiten Satz zu beschreiben, scheint mir nie treffend genug. Er wirkt wie ein Variationssatz, ist aber mehr. Die Spule eines Films, der plötzlichen ein anderer wird, unmerklich, durch mehrfaches Betrachten verändert, beeinflusst von Trieben des Unterbewusstseins, endet in der Hölle aller Ungläubigen, in Glückseligkeit, verdient durch großes Leid. Das sinfonische Scherzo mit seinem Trio, das Brahms seinen nahrhaften Boden schenkt, münden in ein Finale in strengem Rahmen, verspielt, gehemmt durch diese Strenge sucht die Lebendigkeit ihre Bahnen aus starrer Unterdrückung, entgleitet den Versuchen des Verschließens und rauscht in den selbstgewählten Abgrund. Ein Sprung aus unserem Film.
Bach taucht in seiner 2. Solosonate für Violine ebenfalls in die Tonart a-Moll. Milder, melancholischer im Grave, ausufernd in der Fuge, die absolute Musik auf jeder Ebene, analytisch, leidenschaftlich, formal, frei, spontan, durchdacht, übermütig und Feingliedring. Das Andante atmet, das Finale zerfließt.
Ysaye hat ein schweres Los und geht auf Zerstörung. Doch dahinter ist eine Huldigung an Bach, an dieses Unvermögen den barocken Kontrapunkt zu reproduzieren.
Eine einsame (heute digitale) Steppe der Neuzeit säumt sein Grab, in der die Violine ein einsamer Wolf ist.
Franz Schubert (1797 – 1828)
Klaviersonate Nr. 16 a-Moll D.845
Moderato
Andante poco mosso
Scherzo. Allegro vivace – Trio
Rondo. Allegro vivace
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Sonate für Violine alleine Nr. 2 a-Moll BWV 1003
Grave – Fuga – Andante – Allegro
Eugène Ysaye (1858 – 1931)
Sonate für Violine solo Nr. 2 a-Moll op. 27, 2
Obsession: Prélude
Malinconia
Danse des ombres: Sarabande
Les furies (Allegro furioso)
Klavier, Violine und Moderation: Puschan Mousavi Malvani
Eintritt: 30 Euro / 15 Euro ermäßigt
Karten an der Abendkasse ab 18.30 Uhr
Kunstverein Familie Montez, Unter der Honsellbrücke 7, 60314 Frankfurt
