Nitsch ist am Ostermontag 2022 im Alter von 83 Jahren gestorben. Er ist, und das ist nach diesem aufregenden Leben wirklich erwähnenswert, sehr friedlich eingeschlafen. Sein Werk wird weiterleben. Nitsch hat Kunstgeschichte geschrieben.

Der Kunstverein Familie Montez e.V. hat mit dem Gründer und Leiter Mirek Macke, Meisterschüler von Professor Hermann Nitsch an der Städelschule, in Ehre und Andacht an seinen Lehrer zu seinen Lebzeiten im Jahr 2017 eine Dauerausstellung unter den Brückenbögen eingerichtet. Sie ist mit zahlreichem Videomaterial, Bildern und diversen Kunstwerken von ihm ausgestattet.

Nitsch lehrte von 1989 bis zu seiner Emeritierung an der Städelschule in Frankfurt am Main Interdisziplinäre Kunst und hat so zahlreiche junge Künstler aus Frankfurt auf ihrem Werdegang geprägt und begleitet, hierunter Martin Neumaier, Michael Riedel, Vroni Schwegler, Corinna Mayer, Ekrem Yalcindag, Nathalie Grenzhäuser, Karsten Kraft, Thomas Kober, Andrea Simon, Anke Röhrscheid, Thomas Kober, Jürgen Wolfstädter und Mirek Macke (und viele mehr).

Sein »Orgien-Mysterien-Theater« (OMT) mit Blut, Kadavern und Eingeweiden wurde zu seinem Markenzeichen, was auch zuletzt an seiner Wahlheimat in Prinzendorf, Österreich, unter Beteiligung von Mirek Macke, Jerome North, Giorgio Capogrossi, Christian Mouson und vielen anderen Freunden des Kunstvereins Familie Montez stattgefunden hat.

Es gäbe so viele interessante Geschichten über Nitsch zu erzählen, z.B.:

Die Wiener Polizei sah sich in den Anfangsjahren mehrmals veranlasst, gerichtliche Schritte gegen den Künstler und seine Aktionskameraden einzuleiten; Prozesse und Gefängnisstrafen waren die Folge. Eine Zeit lang kehrte Nitsch dann Österreich den Rücken und lebte in Deutschland am Ammersee. Der Wiener Aktionismus blieb ein zeitlich begrenztes Phänomen der Sechzigerjahre. Als einziger Künstler setzte Nitsch ihn bis zuletzt fort.

Eine große Persönlichkeit ist gegangen. Die Kunst bleibt.

Für den Kunstverein Familie Montez, Daniel Mouson am 20.04.2022