17. 9.26 – 18. 10. 26
Girmachew Getnet
Kreis – Menschen / „Ich bin, weil wir sind“
„Sowohl aus künstlerischer als auch aus wissenschaftlicher Sicht gehören alle Menschen zu einer einzigen Spezies, dem Homo sapiens, und teilen fast dieselbe DNA. Trotz dieser gemeinsamen biologischen Grundlage leben Menschen auf der ganzen Welt mit vielen verschiedenen Sprachen, Traditionen und Lebensweisen. All dies bringe ich durch das Vermischen von Farben zusammen.“
Girmachew Getnet, 2026
Über die Ausstellung:
In dieser Ausstellung verkörpert „Circle – Humans“ sowohl Realismus als auch Abstraktion, indem sie von konkreten Objekten zu reiner Form übergeht. Das Vermischen von Farben vereint diese beiden Konzepte. In meiner Ausstellung präsentiere ich meine großformatigen, realistischen Werke neben meinen abstrakten Arbeiten. Ich sehe dies als eine wunderbare Gelegenheit, Kontraste hervorzuheben und mithilfe des verbindenden Themas „Circle – Humans“ zwei unterschiedliche Kunstformen zu präsentieren sowie die Bandbreite meines künstlerischen Spektrums zu demonstrieren.
Das Konzept von „Circle – Humans“ – oder „Human – Circle“ – ist eine kraftvolle, inklusive Vision, die den Fokus auf Einheit, Verbundenheit und Gleichheit aller Menschen legt, unabhängig von Hautfarbe, Religion, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung oder Herkunft. Es symbolisiert ein Zusammenkommen unter Gleichen, oft als „Safe Space“ bezeichnet, in dem jeder eingeladen ist, seine einzigartigen Erfahrungen zu teilen.
Der Kreis steht für eine „360-Grad“-Sicht auf die Menschheit und bringt bewusst alle Menschen und alle Identitäten in einem gemeinsamen Raum zusammen. Das Zusammenkommen im Kreis beseitigt Hierarchien. Im Gegensatz zu traditionellen linearen Anordnungen, wie sie beispielsweise in Klassenzimmern oder Theatern zu finden sind, ermöglicht ein Kreis, dass sich alle gegenseitig sehen und hören können, was die Verbindung und Kommunikation fördert. Viele Interpretationen des Kreises betonen einen Übergang von veralteten, spaltenden und patriarchalischen Machtstrukturen hin zu einer egalitäreren „Gemeinschaft der Menschheit“.
Das Konzept von „Ubuntu“, das aus der Zulu-Sprache grob übersetzt „Ich bin, weil wir sind“ bedeutet, hat seine Wurzeln in einer gleichnamigen afrikanischen Philosophie und betont, dass Menschen ihre Identität und ihren Lebenssinn durch ihre Verbindung zu anderen finden.
10 Fragen an Girmachew Getnet:
Girmachew Getnet
Kreis – Menschen / „Ich bin, weil wir sind“
@KVFM Kunstverein Familie Montez.
17. September – 18. October 2026,
Frankfurt am Main, Deutschland
Wie würdest du heute deine künstlerische Ausdrucksweise oder deinen Stil definieren?
Mein künstlerischer Stil spiegelt eine facettenreiche visuelle Erzählung wider. Das Verschmelzen verschiedener Epochen und Gesichter ist wie das Mischen von Farben auf einer Leinwand. Es zeigt, dass Menschen aller Epochen dasselbe Herz und dieselbe Seele teilen. Mein Konzept stellt die Menschheitsgeschichte als eine große Familie dar. Das Alte und das Neue verschmelzen zu einem einheitlichen Ganzen, und das Vermischen von Geschichte ähnelt dem Einsatz neuer Techniken in der abstrakten Malerei.
Welche Kernthemen oder kulturellen Diskurse prägen dein aktuelles Werk?
Angesichts des globalen Chaos und der verschiedenen Konflikte und Kriege habe ich mich mit der Idee auseinandergesetzt, innere Ruhe durch diese großformatigen abstrakten Kunstwerke zu finden.
Wie hat sich dein moderner Stil im Vergleich zu deinen früheren Projekten entwickelt?
Die meisten meiner früheren Kunstwerke sind figurativ. Dies ist meine erste Soloausstellung, die ausschließlich aus großformatigen abstrakten Gemälden besteht – ein Medium, durch das ich meine Ideen, speziell für diese Ausstellung „Human – Circle”, effektiver als mit realistischen Gemälden ausdrücken kann. Als freiberuflicher Künstler habe ich die Möglichkeit und Fähigkeit, meine Ideen durch verschiedene Medien und Stile auszudrücken.
Was sollen die Betrachter fühlen oder denken, wenn sie zum ersten Mal mit deiner Kunst in Berührung kommen?
Kunst besteht aus visuellen Elementen, daher rate ich den Besuchern meiner Ausstellung, ihren Augen zu vertrauen und die von den Gemälden vermittelten Informationen auf sich wirken zu lassen.
Wie setzt du immaterielle Konzepte oder Emotionen in nicht-gegenständliche Formen um? Was bedeutet „moderne Abstraktion“ für dich in der heutigen, von Bildern übersättigten Landschaft?
Da es kein klares Bild zu betrachten gibt, bringen die Betrachter ihre eigenen Geschichten in die Kunst ein. Es hängt ganz davon ab, wie man sie sieht und versteht – und genau das macht Kunst so besonders.
Inwieweit sind deine fertigen Werke von einer strengen inneren Logik geprägt und inwieweit von rohem, unkalkuliertem Instinkt? Gibt es bestimmte gesellschaftspolitische, architektonische oder psychologische Themen, die deinen Farbfeldern und gestischen Markierungen zugrunde liegen?
Im Atelier entstehen diese großformatigen abstrakten Gemälde ganz spontan, ohne Zögern oder Verzögerung. Manchmal ist es geplant, manchmal nicht; es steckt kein verstecktes Motiv, keine Strategie und keine Absicht dahinter. Es geht einfach darum, das Geordnete und das Ungeordnete miteinander zu verschmelzen. Dabei stützt sich der Prozess ausschließlich auf die angeborene Natur, nicht auf erlerntes oder einstudiertes Verhalten. Es ist rein und frei.
Woran erkennst du, wann ein Kunstwerk vollständig fertig ist?
Meine Kunstwerke sind nie fertig – solange sie im Atelier sind, arbeite ich regelmäßig daran und füge neue Schichten hinzu. Das bedeutet nicht, dass ich sie verwerfe – ich verwerfe niemals Kunstwerke, sondern erneuere sie vielmehr. Ich arbeite weiter an den Werken und erwecke sie Schritt für Schritt zum Leben, genau wie wir – sie wachsen und verändern sich im Laufe der Zeit. Mein Atelier wird so zu einem Ort des unendlichen Lebens.
Woher kommst du, und wie prägt dein Umfeld deinen Stil?
Ich komme aus Äthiopien, aber meine Kunst ist universell. Ich lebe seit vielen Jahren in Frankfurt am Main und fühle mich hier zu Hause, in einer multikulturellen Stadt, die in vielerlei Hinsicht das Herz Europas ist. Die Vielfalt an Fachleuten aus aller Welt in Frankfurt hilft mir, die Idee eines motivierenden menschlichen Umfelds weiterzuentwickeln.
Meine Kindheit und mein Hintergrund in Äthiopien und Afrika prägen meine einzigartige kreative Stimme, während meine Lebenserfahrungen in Frankfurt und Europa sowie der multikulturelle Geist der Stadt meine tägliche Arbeit inspirieren. Die Begegnung mit Menschen aus aller Welt in der globalen Gemeinschaft hilft mir, meine „Circle – Humans“-Ideen weiterzuentwickeln.
Wie bringst du die geschäftliche Seite der Kunst mit reiner Kreativität in Einklang?
Als Künstler ist es unsere Aufgabe, kreativ zu sein und Ideen zu entwickeln, und nicht, uns auf geschäftliche Belange zu konzentrieren, aber Kunst und das Kunstgeschäft haben denselben kreativen Fokus, denn sowohl das Schaffen als auch der Verkauf von Kunst hängen von neuen Ideen ab. Ein Künstler schafft ein Werk auf der Grundlage einer Vision, und ein Kunsthändler erschließt mit demselben Geist einen Markt. Beide Bereiche erfordern Vorstellungskraft, um zu wachsen. Künstler und Kunsthändler sind daher zwei Seiten derselben Medaille.
Auf welche anstehenden Projekte oder Ausstellungen freust du dich am meisten?
Das werden wir gemeinsam herausfinden.
